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Odysseum Köln 2012

November 18, 2012

„Dein Abenteuer beginnt in 11 Sekunden“, zählt eine Digitaluhr direkt nach dem Eingang herunter. Gespannt warten wir (meine Kinder 10 und 9 und ich) darauf, dass sich die große Tür öffnet. Endlich, nach quälenden weiteren 5 Sekunden, zischt und rumpelt es und das Tor zu einer abenteuerlichen Wissensreise zieht sich in die Wand zurück, um uns den Weg in die wunderbare Welt der geistigen Zufütterung frei zu geben. In einem kleinen Raum erwartet uns auf einer Leinwand ein kleiner Roboter, der sympathisch schusselig mit Licht- und Soundeffekten erklärt, was uns erwarten würde.
Als ich den großen Dschungel der Sinne betrete, lockt mich eine nette Aufforderung, mich auf den Hocker vor die Kamera zu setzen und einen frischen Papierstreifen aus dem Darreichungsautomaten nach Ablauf des Countdowns in den Mund zu nehmen. Ich will nicht zu viel verraten, aber „Himmel! So was gleich am Anfang ist wirklich sehr gewagt!“
Im Dschungel erfährt man zwischen Felsen und Bildschirmen so allerlei über den Menschen, die Natur, Schönheitsideale, den Fortpflanzungskreislauf, wie man einen Menschen verschwinden lassen kann und dass meine DNA mit der Einsteins zu 99,9 % übereinstimmt. Auch die anderer Menschen. Nicht aller selbstverständlich, das wissen Sie aus eigener Erfahrung möglicherweise sogar aus Ihrem näheren Umfeld. Die genetische Übereinstimmung des Menschen zu einem Bakterium e. coli beträgt 3%. Auch da ist wohl eher der Durchschnitt gemeint, wenn ich mir z.B. so manche Autofahrer ansehe...
Der erste Raum also ist ein guter Auftakt. Allerdings sind die Ansprüche an die Extrovertiertheit der Besucher relativ hoch. So wird man ziemlich unvermittelt über die evolutionäre Bedeutung von Sex aufgeklärt, man wippt und wirft Bälle in ein Felsloch, wankt bei der Betrachtung eines sich bewegenden Musters bedenklich und stellt sich die Frage, ob die zwei Bier von gestern so lange nachwirken können. Und während man noch darüber nachdenkt, lockt man schon mit einem lauten Röhren Hirsche zur Paarung auf die Lichtung, sowie Eulen und einen Pfau.
In den nächsten Räumen darf man nur durch die Stimme des Partners durch ein Minenfeld geleitet werden, entdeckt die Gesetzte der Schwerkraft, sucht eine rote Kugel in einem großen Zylinder, stellt fest, dass Menschen immer durch die mittlere Tür gehen und begreift endlich nach zwanzig Jahren den Satz des Pythagoras (siehe Foto). Aber am besten hat mir persönlich die Station „Mindball“ gefallen. Dabei sitzt man sich an einem Tisch gegenüber und versucht durch die Kraft der Gedanken, einen Ball ins gegnerische Feld zu drängen. Ich konzentrierte mich darauf, dass sich meine Alpha und Tetrawellen entspannten und ich den Ball bewegen konnte. Winning by relaxing. Das Ding war bestimmt kaputt, der Ball war die ganze Zeit in meinem Feld.
Ein Flugsimulator, in dem meine Kinder einen Vollcrash verursachten und dennoch überlebten, Roboter, die man gegeneinander kämpfen lassen konnte und ein Basketballwurfroboter sind nur einige, der vielen tollen „Spiel“-Möglichkeiten.
Im Foyer kann man Eisenbahn fahren und in einem Rollstuhl einen Parcours bewältigen und das Gefühl dafür entwickeln, wie schwierig die Fortbewegung damit ist. Abschließend toben und experimentieren die Kinder im Spieleland mit Luft, Strom und Wasser und sehen, die optische Täuschung, wenn man körperlos ist.
Meine Kinder wollten zum Abschluss unbedingt noch im Indoor-Hochseilgarten klettern. Wir wurden mit unserem Geschirr, in dem ich mir vorkam wie ein Haflinger vorm Heuwagen, angeleint und bekamen eine kurze Einführung. Ich lauschte ehrfurchtsvoll, schließlich wollte ich nichts falsch machen und nach einem Fehltritt eventuell ein unschuldiges Kind unter mir zerquetschen. “Lasst immer erst den vor euch die Station beendet haben, dann könnt ihr los“, sprach der reizende Security-Mann. Schon bei der ersten Station wackelte der Baumstamm unter meinen Füßen bedenklich. Wütend drehte ich mich um, um das Kind hinter mir darauf hinzuweisen, dass es mich erst fertig machen lassen solle, bevor es mir folgt. Aber da war niemand nur die ausschwingenden Seile, die mich hämisch darauf hinwiesen, dass ich und dieser Hochseilgarten keine dicken Freunde werden würden. Ich klammerte mich an die Halteseile und beendete in gefühlten drei Stunden die sechs popeligen Stationen. Endlich wieder festen Boden unter den zitternden Füßen, schnallte ich mich ab und verneinte höflich  die Frage, ob ich nochmal wolle...
Fazit: Das Odysseum in Köln ist eine Reise wert, wenn man sich selbst zum bildungsaffinen Volk zählt und das Gehirn seiner Kinder mit spielerisch vermitteltem Wissen aufs Höchste stimulieren will. Es gibt keine Station, bei der man in irgendeiner Weise zur Untätigkeit verdammt ist. Sogar der Film war 3D und somit per se aufregend, wenn man das Gefühl hat, dass einem die Flugsaurier die 3D-Brille in wildem Ritt von der Nase pflücken.
Die Gestalter der Odysseumswelt haben sich wirklich Gedanken gemacht, Wissen so unauffällig und liebevoll wie möglich zu vermitteln und das spürt man an jeder Ecke und in jedem Raum.
Man muss ein wenig mehr als einen halben Tag einplanen um alles zu sehen. Wenn der Andrang groß ist, dann warten die Kinder bei den verschiedenen Personal erforderlichen Stationen eine Weile. Der Preis ist vernünftig, wobei ich nie verstehe, wieso es nur Familienermäßigung gibt, aber keine für Alleinerziehende, die doch noch viel knapper bei Kasse sind.
Preis: 7,50 € für Kinder bis 12 Jahre, 9,50 € bis 17 Jahre.
14,- € für Erwachsene ist in Ordnung, wie ich finde, wenn der Erwachsene den gleichen Spaß wie die Kinder hat. In einem Mitmachmuseum für Kinder könnte man dieses Ungleichgewicht noch einmal überdenken.  
Zum Schluss noch ein Wort zum Personal: Großartig!
Gegen Ende des Besuches schlenderten wir geschafft und mit tausend neuen Eindrücken durch den Museumsshop, der mit dem Kauf von mehr oder weniger pädagogisch wertvollen Spielsachen und Experimentierkästen an diesen Tag erinnern würde... Und schmunzele heute noch, wenn ich mich an die Worte des kleinen Jungen mit den leuchtenden Augen und dem Wissensbaukasten in der Hand, denke: „Papa, kann ich das kaufen? Damit kann man viele Exkremente machen!“

 

 

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