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GOP Varieté-Theater Münster - Asia 2013

August 18, 2013

„Asia“ - Ein kurzer Urlaub nach Fernost

Gutes Essen, Gastfreundlichkeit und höfliche Menschen - diese Aspekte verbinden viele Europäer mit Asien. Dieses Konzept versucht das GOP Varieté Theater Münster mit seiner Show „Asia - Fremd und geheimnisvoll“ durchzusetzen: Ein Abend, der als Kurz-Urlaub gelten kann. In passender Einrichtung wird der Zuschauer mit dem Eintritt in eine andere Welt geleitet:

Ein Gong steht in der Ecke, durch die Lautsprecher ertönt leise Zitter-Musik, es duftet nach Garnelen, Gemüse und Soja. Der Geruch ist ein Hinweis auf den ersten Gang: „Asiatische Gemüsebrühe mit Garnelenschaschlik“. Oder für die Vegetarier: Gemüse statt Garnelen.

Nach dem Essen beginnt die Show und das Konzept setzt sich weiter vor: Die Künstler tanzen über die Bühne und begrüßen ihr Zuschauer durch Verbeugen. Ein höflicher Empfang, der fast fünf Minuten dauert. Schließlich will jeder aus dem 13-köpfigen Ensemble dem Zuschauer schon mal einen Einblick in sein Können liefern. Doch die langgezogene Einführung offenbart auch den roten Faden der Show: Ein asiatisches Liebespaar, das in ihrer Beziehung immer wieder auf die Probe gestellt wird. Dargestellt werden die Liebenden von dem „Duo Dinh Anh“, die ihre Partnerakrobatik seit ihrer Kindheit erlernt haben. In einem sanften, aber auch leidenschaftlichen Zusammenspiel repräsentieren die beiden die Anziehungs- und Abstoßungskraft einer Beziehung. Huynh Thanh Dinh (Vietnam, 41) wirkt wie ein starker Krieger, der seine zierliche Frau Le Tran Van Anh (Vietnam, 35) immer wieder auf Händen über die Bühne trägt und sie nah an sich heranzieht.

Die emotionale Darstellung der beiden Liebenden geht nahtlos in die faszinierende Kunst von Ramazan Yumrutepe (Türkei, 31) über. Er malt die Geschichte des Paares - auf Sand. Auf einer von unten beleuchteten Platte verblüfft er die Zuschauer mit seiner Fingerfertigkeit und seiner perfekten Darstellung, welche die gemalten Geschehnisse zum Leben erweckt. Diese erstaunliche Kunst wirkt wie ein Film, den man nur selten zu sehen bekommt. Unterbrochen wird diese romantische Atmosphäre von lauten Geräuschen und hektischen Passanten. Eine Großstadt in Asien, wie sie unromantischer nicht sein könnte. Mittendrin des Liebespaar, welches sich in der Menge an Menschen immer wieder verliert.

Zuflucht suchen die beiden in einem Zen-Kloster und treffen auf Kai Eikermann (Deutschland, 50). Der „Electric Buddha“ fasziniert die Zuschauer ebenfalls durch geschickte Körperbewegung und -beherrschung. Seine comediantische Einlage brachte viele Zuschauer zum Lachen, wirkte aber wie eine Kopie von Klaus Loch, bekannt als Herr Riesling. Mimik, Gestik und Bewegung stimmten enorm mit den bereits bekannten Aufführungen von Herrn Riesling über ein und wirkten deshalb eher verfälscht als verbessert. Lachen mussten die Zuschauer über die witzig Bewegung zur elektronischen Musik trotzdem.

In einem ähnlichen Setting fühlen sich auch „Hilty & Bosch“ zu Hause: Laute Musik und schnelle Bewegung gehören für die zwei Künstler des Lock Dance einfach dazu. Locking ist eine Tanzart, bei der die Tänzer sich enorm schnell bewegen und mitten in der Bewegung für kurze Zeit einfrieren - alles natürlich passend zur Musik. Diese Darstellung versetzt die Zuschauer in Staunen, denn die beiden Japaner Jin Satoshi (31) und Yu Yamauchi (32) tanzen in perfekter Synchronität, als ob sie mit einem unsichtbaren Band verbunden wären.

Nach so viel Körperakrobatik beeindruckt nun Chu Chuan-Ho (Taiwan, 21) die Gäste des GOP. Mit dem simple aussehenden Diabolo beweist er den Zuschauern, dass jahrelange Übung sich auszahlt. Bis zu drei Diabolos wirbelt der junge Künstler um seinen Körper herum - immer mit einem Lächeln im Gesicht. Die Anspannung der Zuschauer ist deutlich zu merken, scheint nicht ein einzige Mal die Kontrolle zu verlieren.

Die Spannung löst sich durch die Pause, in der das Hauptgericht serviert wird: „Gebackenes Fischfilet auf Pflaumenweinsauce mit Sprossengemüse und gebratenen Nudeln“. Oder für die Vegetarier: Mit Frühlingsrolle statt Fischfilet. Das Essen ist nicht nur perfekt angerichtet, sondern schmeckt auch fantastisch.

Beendet wird die Pause von Euphoria, einer vierköpfigen Gruppe mit dem Schwerpunkt Kontorsion. Die Frauen (20-27) stammen alle aus der Mongolei und erscheinen alle in dem gleichen schwarz-lila Outfit, welches ihre Bewegungen vor dem hellen Hintergrund besonders gut abhebt und sie noch anmutiger erscheinen lässt. Trotz unglaublicher Verrenkungen schaffen es die Damen, sich in exakter Synchronität zu bewegen - unabhängig von ihrer Position. Ein beeindruckendes Spiel, dass die Zuschauer sichtlich in ihren Bann zieht.

Der Wechsel zum nächsten Akteur, Senmaru (Japan, 44), wirkt daher umso extremer. Der Balance Comedian hat es mit seinen schrillen Auftritten in Japan bereits zur Berühmtheit geschafft. In Deutschland kommt der Künstler ganz unterschiedlich an. Seine laute, quietschige Stimme lässt die Zuschauer im ersten Moment zurückschrecken, doch seine Aufführung fasziniert schließlich jeden: Auf einem Schirm rollt er einen Ball und einen Ring, in seinem Mund balanciert er einen Stab, auf der eine Teekanne steht, und zum Schluss lässt er es noch einmal auf der Bühne regnen. Eine Mischung aus Faszination, Spannung und dem Drang zu Lachen liegt in der Luft.

Die Stimmung bleibt, zum Lachen ist aber wohl niemandem bei der Kunst von Darkan (Kasachstan, 29). Gespannt hält das Publikum den Atem an, während der Strapaten-Künstler einen Spagat in luftiger Höhe vorführt und sich mehrere Meter tief fallen lässt. Nach knapp zwei Stunden hatten sich damit alle Künstler vorgestellt, einige erscheinen auch mehrfach auf der Bühne.

Doch was ist eigentlich aus dem Liebespaar geworden? Die Feiern noch bis zum 08. September jeden Abend ihre Hochzeit, zu der alle Künstler und Zuschauer eingeladen sind. Um die Show auch während der Ferien schmackhaft zu machen, können Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines Erwachsenen umsonst rein.

Fazit: Das Konzept von gutem Essen, Gastfreundlichkeit und höflichen Menschen setzt das GOP gelungen um. Speisen, Service und Show versetzten den Zuschauer für knapp drei Stunden in ein fernöstliches Land. Zwar sind die einzelnen Aufführungen teilweise zu lang gezogen, insgesamt hat aber jeder Akteur etwas besonders an sich, dass sich zu sehen lohnt.

 

 

 

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